In diesem Artikel wird nun das korrekte Vorwärts-Abwärts (abgekürzt v/a), auch Dehnungshaltung genannt, behandelt.

Wie sieht das korrekte v/a aus?

Die Hinterhand des Pferdes tritt aktiv Richtung Schwerpunkt (grüner Pfeil), die Schulter hebt sich und der Rücken wölbt sich auf (blaue Pfeile).
Der Hals fällt vom Widerrist aus, locker ab.
Betrachtet man die Oberlinie des Pferdes, sollte man einen positiven Spannungsbogen erkennen (roter Pfeil). Der Rücken schwingt dabei locker, die Oberlinie wirkt aber gedehnt.
Der Rücken des Pferdes sollte länger wirken als der Bauch.

Die Nase des Pferdes sollte nicht zu tief kommen (normalerweise auf Höhe des Buggelenks), da es sonst, anatomisch bedingt, stärker auf die Vorderhand fallen wird, was nicht gewollt ist.

Beim v/a bleibt die Nase ebenfalls mindestens eine Handbreit vor der Senkrechten (lila Linie).

Der Takt bleibt erhalten, dies ist im Trab gut erkennbar dadurch, dass Vorderbein und Hinterbein zur gleichen Zeit abfussen. Das Röhrbein des Hinterbeines und der digonale Oberarm sollten parallel liegen (grüne Linien).
Im Schritt sollte man weiterhin einen klaren Viertakt hören, und im Galopp sollte ein klar getrennter Dreitakt zu erkennen sein.

Der Unterhals (grün schraffiert) sollte beim v/a erkennbar entspannt sein.
Der lange Rückenmüskel (blau) soll locker schwingen können, denn ist er verkrampft, kann auch die Hinterhand nicht aktiv sein, da der lange Rückenmuskel mit dem grossen Gesäßmuskel (lila) verbunden ist.
Andersrum: Ist die Hinterhand blockiert oder nicht aktiv, wird der Rückenmuskel auch nicht schwingen. Ebenso kann ein verkrampfter Rückenmuskel die Schulterfreiheit blockieren, da über dem langen Rückenmuskel der breite Rückenmuskel liegt und dieser wiederum mit dem Oberarmmuskel verbunden ist.
Zum Anheben des Rückens tragen die Muskelgruppen bei, welche von den Dornfortsätzen zum oberen Teil des Halses reichen (schön bemuskelter Oberhals bei korrektem Reiten).

In diesem Thread im Reitforum werden Bilder zum v/a reiten diskutiert. Reinschauen lohnt sich, es hilft den Blick für ein korrektes v/a zu schulen: *klick*

Wozu reiten/longieren wir nun v/a?

Pferde wissen nicht von Natur aus, wie sie einen Reiter am besten tragen können.

Dies lernen sie indem wir den Pferden beibringen, dass sie mit der Hinterhand unter den Schwerpunkt treten sollen und den Rücken anheben, so dass unser Gewicht nicht vom langen Rückenmuskel getragen wird.
Indem wir korrekt reiten, können wir Erkrankungen wie Kissing Spines entgegenwirken, sowie Arthrosen und Hufrollenveränderungen in der Vorderhand.

Sind wir in der Arbeit mit dem Pferd weiter (Aufrichtung, Versammlung) sollte man das Pferd zur Entspannung zwischendrin immer wieder v/a reiten. Das v/a lockert und ist immer eine gute Übung und Kontrolle.
Schafft man es irgendwann nicht mehr sein Pferd v/a zu reiten obwohl es früher mal geklappt hat, sollte man sich Gedanken machen ob beim Pferd und dem reiterlichen Weg noch alles stimmt.
Ebenfalls empfiehlt sich das v/a zum Aufwärmen, sowie Trocken reiten.

Wie reite ich mein Pferd v/a?

Eine Anleitung übers Internet wird leider nicht reichen um ein korrektes v/a zu reiten. Die Probleme von Pferden und Reitern sind unterschiedlich, diese müssen vor Ort erkannt und anschliessend daran gearbeitet werden. Daher gibt es nur eine sehr grobe Anregung.

Um einem Pferd das v/a an der Longe nahe zu bringen empfehle ich den Longenkurs von Babette Teschen. Dieser ist auf Wege-zum-Pferd zu finden.

Beherrscht das Pferd das v/a an der Longe, wird es beim Reiten leichter das Pferd v/a zu arbeiten.

In der Regel reicht es, wenn man das Pferd korrekt treibt (siehe ebenfalls den Artikel zum korrekten Treiben *klick*), es dabei nicht durch den Sitz zu behindern und es so an die Hand heranzureiten. Die ist als mehr oder weniger konstante, aber sehr weiche Verbindung des Zügels zum Pferdemauls zu erfühlen. Die Zügel hängen hierbei nicht durch. (Man sollte nicht isoliert die Halshaltung betrachten, wenn der Rest stimmt ist diese erstmal egal. Ein Pferd das soweit an den Hilfen steht wie in diesem Stadium gewünscht, wird nicht mit in die Höhe gerecktem Hals herum laufen, aber auch erstmal nicht in einer Haltung kurz vor der Senkrechten, diese wird erst später erarbeitet.)
Hat man dies erreicht, wird das Pferd dem Zügel folgen wenn man ihn langsam vorgibt. Man sollte aufpassen dass die Nase dabei nicht zu tief kommt, hier ist das Buggelenk eine oft genannte Grenze, aber es kann sein dass es Pferde gibt, für die diese nicht zutrifft. Ich denke sie ist aber eine gute Orientierung wie tief man das Pferd lassen sollte. Lässt man das Pferd zu tief, wird es anatomisch bedingt auf die Vorderhand fallen.
Der Takt sollte dabei erhalten bleiben. Kommt das Pferd aus dem Takt ist es wichtig, erst diesen wiederherzustellen, ehe man weitermacht.

Verliert man die Verbindung beim dehnen nach unten, nimmt man die Zügel wieder auf, reitet etwas vorwärts bis die Verbindung zum Pferdemaul wieder gegeben ist und beginnt dann von Neuem.
Anfangs sollte man nicht zu viel vom Pferd erwarten, ein korrektes v/a ist anstrengend. Loben also keinesfalls vergessen und häufig Pausen einbauen. Anfangs auch kleine Schritte in die richtige Richtung loben.

v/a ist am einfachsten im Trab zu erreiten. Der Trab ist die einfachste Gangart für uns Reiter um den richtigen Zeitpunkt zum Treiben zu erfühlen/erlernen da es ein Zweitakt ist. Nach dem Trab folgt der Galopp und danach der Schritt.

Links zum Thema

Ein Bilderthread zum Bewerten des vorwärts-abwärts

Ein Artikel zum korrekten vorwärts-abwärts von Babette Teschen

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